Der ultimative Ratgeber zum Barfußlaufen Teil 1

Ich bin überzeugter Barfußläufer. Aber nicht um jeden Preis. In diesem ersten Teil möchte ich dir anhand meiner eigenen Erfahrungen davon berichten, welche Vorteile es auch für dich haben kann, barfuß zu gehen und welche Schuhvarianten es dafür gibt. Im zweiten Teil  geht es dann um die richtige Technik und das dazugehörige Training.

Wie ich zum Barfußlaufen kam

Ich beschäftige mich schon viele Jahre mit körperlicher Fitness und habe dabei eine Vorliebe für natürliche Bewegungen entwickelt. Kraftübungen ohne Geräte sind in meinen Augen der beste Weg, um seinen Körper ganzheitlich zu trainieren. Als ich mich mit natürlichen Bewegungen beschäftigte, stieß ich auf einen regelrechten „Barfuß Trend“. Insbesondere im Bereich Ausdauerlauf gibt es immer mehr Menschen, die entweder komplett barfuß oder zumindest mit speziellen Barfußschuhen laufen. Das hat mich fasziniert und seitdem begeistert mich dieses Thema immer mehr.

Wo ich überall barfuß laufe

Barfuß, also ohne Schuhe und Socken, gehe ich zu Hause ausnahmslos. Auch wenn ich bei Freunden und Familie zu Besuch bin, gehe ich barfuß. Sehr schön ist es auch, im Park, am See, im Garten, am Strand und generell in der Natur, wo der Boden angenehm ist, seinen Füßen die maximale Freiheit zu gönnen.

In der Stadt bin ich auch schon barfuß gelaufen. Allerdings halte ich das für weniger praktikabel, denn die Gefahr, in Glasscherben, Hundekot oder anderen Unrat zu treten, ist sehr hoch.

Wenn ich etwas offizieller unterwegs bin, dann trage ich gerne normale Schuhe und fühle mich auch gut dabei. Trotzdem ist es immer wieder eine Wohltat, am Ende des Tages wieder barfuß zu gehen und die Füße atmen und entspannen zu lassen.

Ich gehe gerne laufen und schreibe bewusst nicht joggen. In der Barfußlaufszene wird joggen mit einem ganz bestimmten Laufstil verbunden, bei dem die Ferse zuerst auf dem Boden aufkommt. Barfußläufer müssen ihren Stil ändern, um Verletzungen vorzubeugen. Mehr dazu im zweiten Teil dieses Blogbeitrags.

Meine Wanderung in Barfußsandalen

Von Dezember 2015 bis März 2016 bin ich 3 000 km auf dem Te Araroa Trail durch Neuseeland gewandert. Mehr dazu findest du auf meinem dazugehörigen Blog unter www.teararoatrail.de.

Dabei bin ich größtenteils mit den Barfußsandalen von Bedrock Sandals gelaufen und einige wenige Abschnitte mit den Vibram Fivefingers. Mehr zu den Schuhen im nächsten Abschnitt dieses Beitrags.

Ich hatte mich vorher wenig vorbereitet und deshalb plagte mich die ersten zwei Wochen starker Muskelkater. Besonders die zum Barfußlaufen nötige aber bei mir anfangs unterentwickelte Muskulatur schmerzte sehr. Besonders schlimm war es in den Waden und um die Achillessehne herum. Nachdem das aber überstanden war und meine Beine und Füße sich angepasst hatten, war es dafür die reinste Wonne, in diesen Sandalen zu laufen.

Eine so lange Wanderung in Verbindung mit Barfußsschuhen war das beste, was ich meinem Körper bisher gegönnt habe.

Meine Bein- und Fußmuskulatur hat sich seitdem dermaßen transformiert, dass ich mühelos durch das schwierigste Gelände gehen kann. Andere Wanderer mit festen Schuhen haben teilweise große Balanceprobleme und fragen mich, wie ich das denn trotz dieser Sandalen so gut bewältige. Mir wurde klar, dass ich gerade wegen diesem Schuhwerk so wenig Mühe habe. Nicht nur meine Muskulatur wurde stärker und ausdauernder, sondern auch meine Balance hat sich verbessert. Ich habe viel mehr Rückmeldung vom Boden und meine Füße wissen automatisch, welche Signale sie an mein Gehirn zur optimalen Balance senden sollen. In Schuhen mit fester Sohle gehen viele dieser Informationen über den Untergrund verloren.

Die richtigen Barfußschuhe

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, seinen Füßen einen minimalen Schutz zu bieten und ihnen gleichzeitig die maximale Freiheit und natürliche Bewegungsfreiheit zu lassen.

1. Geschlossener Schuh

Diese Variante sieht auf den ersten Blick völlig normal aus. Marktführer ist hier Vivobarefoot. Das Tolle an diesen Schuhen ist, dass man Sie auch zu schickeren Anlässen anziehen kann ohne aufzufallen.

Ein Test dieser Schuhe steht für mich noch aus, deshalb kann ich momentan leider nichts weiter dazu berichten.

2. Zehenschuh

Vibram produziert mit seinen „Fivefingers“ die wohl bekanntesten Zehenschuhe. Ich habe schon mehrere Modelle getestet und bin sehr zufrieden. In diesen Schuhen zu laufen fühlt sich tatsächlich an wie barfuß. Beim Joggen bieten sie genügend Schutz gegen spitze Gegenstände. Man sollte trotzdem etwas vorsichtiger sein, denn man spürt jede Unebenheit und manche Steine oder Wurzeln können sehr unangenehm sein.

Ich sehe bei diesen Schuhen zwei wesentliche Nachteile. Erstens, schwitzen die Füße darin stark. Die Belüftung ist zwar besser als in normalen Schuhen, allerdings hat sich bei mir in allen Modellen sehr schnell starker Fußgeruch entwickelt. Zweitens halten diese Schuhe nicht sehr lange. Ich hatte lediglich zwei Sommer Freude daran und dann lösten sich schon die Nähte und Verklebungen.

3. Barfußsandale

Die dritte Variante sind Barfußsandalen. Nach dem Vorbild der Tarahumara aus dem Norden Mexikos gefertigt, sehen diese Schuhe aus wie Flipflops mit einem Zusatzriemen um die Ferse. Die Tarahumara sind als extrem fitte Langstreckenläufer bekannt, die bis zu 100 km täglich zurücklegen und dabei nur einfache Gummisohlen tragen, die mit Lederbändern gehalten werden.

Es gibt diverse Anbieter für diese Schuhe. Mein Favorit ist Bedrock Sandals. Ich bin mit diesen Sandalen 3 000 km auf dem Te Araroa Trail durch Neuseeland gewandert und absolut begeistert! Das erste Paar hat 2 000 km bei unterschiedlichstem Terrain gehalten, das zweite Paar trage ich heute noch.

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Die Schuhe halten ewig, die Füße sind stets gut belüftet und bleiben immer trocken. Des Weiteren sind sie universell einsetzbar: im Alltag, zum Laufen und zum Wandern. Das junge Start-Up-Unternehmen vertreibt aktuell nur in den USA. Ich bin jedoch so überzeugt von diesen Schuhen, dass ich daran arbeite, sie zu importieren und demnächst in Europa anzubieten. Mehr dazu gibt’s auch auf diesem Blog, sobald es soweit ist.

Zusammenfassung

Wenn du jetzt auch so wie ich Feuer und Flamme bist und am liebsten nur noch barfuß unterwegs sein willst, empfehle ich dir, es lieber ruhig anzugehen. Wer gerne mehr barfuß laufen möchte, sollte dabei sehr vorsichtig sein. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schnell die unterentwickelten Muskeln überfordert sind und arg schmerzen. Es gibt zur Eingewöhnung gute Übungen und auch die Technik will gelernt sein. Mehr dazu gibt’s im nächsten Blogbeitrag „Der ultimative Guide über das Barfußlaufen Teil 2“.

Bis dahin würden mich deine Einstellung und Erfahrungen zum Barfußlaufen sehr interessieren. In einem kurzen Kommentar kannst du auch die anderen Leser daran teilhaben lassen 🙂

4 Kommentare

  1. Pingback: Der ultimative Ratgeber zum Barfußlaufen Teil 2 | Planet Freiheit

  2. Hallo,
    das hätte ich jetzt selbst nicht gedacht, aber tatsächlich hast du mich für das Thema interessiert! 😀 Das ist der absolute Wahnsinn, dass du 3.000 km überhaupt gewandert bist und dann auch noch in den Barfußsandalen… Hut ab!! 🙂
    Liebe Grüße, Jean

  3. Christoph

    Hey Jean,

    na das ist doch prima 🙂 Willste jetzt auch auf den Te Araroa Trail oder doch erstmal bissl zu Hause barfußen?

    Liebe Grüße
    Christoph

  4. Pingback: Das minimalistische Fitnessstudio zu Hause | Planet Freiheit

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