Die zwei Veränderungen, die eine Fastenkur für mich bewirkten

In diesem relativ langen Blogbeitrag möchte ich dich an den Erfahrungen im Zusammenhang mit meiner ersten Fastenkur teilhaben lassen. Du erfährst, wie ich dazu kam und welche Methode ich anwendete. Ich beschreibe den Ablauf der einzelnen Tage im Detail und berichte über wichtige Erkenntnisse. Besonders zwei Dinge hebe ich am Ende hervor.

Wie ich dazu kam

Einige meiner Freunde hatten bereits mehrfach gefastet und durchweg positive Erfahrungen gemacht. Sie berichteten von Gewichtsverlusten, körperlich sichtbarer Entgiftung und einem gesteigerten Energieniveau.

Ich lese viel auf den Webseiten des Zentrums der Gesundheit, wo es einige Berichte über die Hintergründe des Fastens gibt, u. a. einige wissenschaftliche Studien. Sehr interessant ist auch das Thema „Intermittierendes Fasten“, bei dem es um regelmäßige, kurze Fastenzeiten geht. So kannst du z. B. auch einmal pro Tag oder einmal pro Woche fasten. Mehr dazu in diesem interessanten Beitrag.

Auch wenn ich schöne und wertvolle Dinge mag, bin ich ebenso Minimalist und finde jegliche Form des Verzichts grundsätzlich interessant. Durch meinen Aufenthalt in einem Ashram 2014 und eine zehn Tage dauernde Vipassana-Meditation 2015 habe ich bereits erste Erfahrungen mit weniger Essen gemacht. Ich spürte den positiven Effekt insbesondere, was meine Verdauung betrifft. Sobald ich weniger (und vor allem gesünder) aß, normalisierten sich auch gewisse „Unregelmäßigkeiten“ meines Stoffwechsels.

Ich bin der Meinung, dass wir Menschen nur dann glücklich sind, wenn wir ständig wachsen. Eine Methode um zu wachsen, ist das Erweitern der persönlichen Komfortzone. Ich liebe es, meinen eigenen sicheren Hafen zu verlassen, in dem ich neue Dinge ausprobiere. Grenzerfahrungen im Sinne geistiger, psychischer und vor allem körperlicher Herausforderungen geben mir immer einen gewissen Kick. Schon allein dieses Gefühl der neuen Erfahrung war für mich Motivation genug für eine Fastenkur. Ich musste einfach wissen, wie es sich anfühlt.

Fasten schwirrte von daher schon seit Jahren in meinem Kopf herum, jedoch habe ich nie den nötigen Impuls gehabt, mir dafür wirklich Zeit zu nehmen. Als ich von meiner letzten Reise zurückkehrte, der Wanderung auf dem Te Araroa Trail, nutzte ich den neuen, noch ungeformten Alltag und blockte mir direkt eine Woche dafür in meinem Terminkalender. Eine bestimmte religiöse Fastenzeit habe ich dabei nicht beachtet.

Die Methode: Das Buchinger-Heilfasten

Aufgrund der Empfehlung von Freunden und einer intensiven Internetrecherche entschied ich mich für das Buchinger-Heilfasten.

Dazu kaufte ich mir folgendes Buch, da es auf Amazon die besten Bewertungen hat:

Es werden darin auch andere Fastenmethoden beschrieben. Die detaillierte Anleitung, die Aufteilung der Tage und die Zufuhr von Nährstoffen im Hauptteil richtet sich allerdings nach dem Buchinger-Heilfasten.

Ich hielt mich strikt an die dort gegebenen Anweisungen. Viele grundsätzliche Überlegungen aus diesem Buch waren mir bereits bekannt, z. B die Probleme unserer heutigen Gesellschaft beim Thema Lebensführung:

  • Schnelllebigkeit
  • Stressiger Alltag
  • Oberflächlichkeit
  • Maßlos Fett und Zucker
  • Zu viel verarbeitetes statt echtes Essen

Nichtsdestotrotz ist es ein gelungenes Werk, dass mich motiviert, gesünder zu essen und zu leben. Es gibt einen wunderbaren Überblick über alle Bereiche, die unsere Verdauung beeinflussen: Nahrung, Essgewohnheiten, Psyche und Lebensführung. Dabei erwähnt es auch zahlreiche Tipps, wie man schon mit kleinen Veränderungen große Wirkungen erzielen kann.

Beim Buchinger-Heilfasten wird auf feste Nahrung gänzlich verzichtet, genauso wie auf Koffein, Nikotin und Alkohol. Erlaubt sind Wasser, Tee, klare Gemüsebrühe und verdünnte Säfte. Dazu gehört eine Darmentleerung am Anfang zur Einleitung sowie tägliche Darmreinigungen. Es geht nicht nur darum zu hungern, sondern den Körper aktiv dabei zu unterstützen, sich von Altem zu verabschieden: Essenreste im Darm, überflüssige Pfunde, Giftstoffe und ungesunde Gewohnheiten.

Tägliche Zusammenfassung

1. Tag – Entlastungstag

Ich hatte schon mehrfach zeitweiligen Kaffeeverzicht geübt und wusste, wie schwer das in den ersten Tagen für mich ist. Das geht bis hin zu tagelangen, migräneartigen Kopfschmerzen. Ich hatte also schon im Vorfeld meinen Kaffeekonsum schrittweise heruntergeschraubt und schloss an diesem Tag mit meiner letzten Tasse am Morgen ab.

An diesem Tag ging es darum, dem Darm leichte Kost zu reichen, die sich am nächsten Tag gut abführen lässt. Außerdem aß ich bereits weniger als normal und stimmte mich auf das Fasten ein.

2. Tag – Erster Fastentag

Am Morgen gab es statt eines ausgiebigen Frühstücks erst einmal eine Darmentleerung. Man hat dazu drei Möglichkeiten:

  • Glaubersalz
  • Sauerkrautsaft
  • Einlauf

Für den ersten Tag entschied ich mich für die drastischste Variante. Beim sogenannten „Glaubern“ trinkt man eine Lösung aus Wasser und Glaubersalz (ich genehmigte mir 40 g auf 500 ml). Erfahrungsberichten anderer Faster zufolge soll das sehr unangenehm sein. Mit etwas beigemengten Zitronensaft empfand ich es jedoch nur halb so schlimm. Eine Stunde später begann dann der „geplante Durchfall“ und in den folgenden vier Stunden war ich mehrmals auf Toilette. Es gibt natürlich angenehmere Möglichkeiten, seinen Tag zu verbringen. Mit dem motivierenden Hintergedanken, meinen Darm zu reinigen, ertrug ich das Prozedere jedoch gern.

Außer mich zu entleeren und viel Wasser nachzukippen, tat ich an diesem Tag nicht viel mehr. Mich nagten den ganzen Tag über starke Hungergefühle. Das Trinken (auch über den Durst hinaus) half trotzdem unerwartet gut. Morgens gab es Pfefferminztee, mittags eine klare Gemüsebrühe und abends einen verdünnten Apfelsaft, dazwischen viel Wasser.

3. Tag – Zweiter Fastentag

Da der Darm beim Fasten sehr inaktiv wird, muss man etwas nachhelfen um Essensreste und auch Abfälle, die beim Entgiften in den Darm zur Ausscheidung gelangen, auch wirklich abführen zu können. Diesmal probierte ich den Sauerkrautsaft. Geschmacklich zwar gewöhnungsbedürftig, funktionierte er aber genauso gut wie das Glaubersalz. Ich trank ebenfalls 500 ml davon als Erstes am Morgen und war wieder eine Stunde später auf der Toilette. Auch diesmal brauchte es zahlreiche „Durchläufe“ bis ich komplett leer war. Es war faszinierend, wie viel feste Restprodukte sich noch in meinem Körper befanden, obwohl ich mich einen Tag zuvor schon entleert und nichts mehr gegessen hatte.

Ich absolvierte ein sehr leichtes Fitnessprogramm von lediglich zehn Minuten und machte einen kurzen Spaziergang. Ansonsten war ich an diesem Tag zu nichts zu gebrauchen, fühlte mich müde und schwach und ruhte mich deshalb viel aus. Ich hatte weniger Hunger als am Tag zuvor, jedoch großen Appetit.

Morgens gab es Fencheltee, mittags einen verdünnten Tomatensaft und abends einen verdünnten Orangensaft, dazwischen wieder viel Wasser.

4. Tag – Dritter Fastentag

Diesmal war die dritte Methode der Darmreinigung dran: der Einlauf. Er soll am wirkungsvollsten und gleichzeitig schonendsten für den Darm sein. Allerdings ist die Durchführung etwas gewöhnungsbedürftig. Wer dazu mehr lesen möchte, findet in diesem Bericht des Zentrums der Gesundheit ausführlichere Informationen. Ich erspare dir die Details an dieser Stelle, hebe jedoch hervor, dass auch das nur halb so schlimm war. Für mich, war es eher eine mentale denn eine körperliche Herausforderung. Der Effekt war erstaunlich gut. Die Entleerung funktionierte gründlich und ging schnell vonstatten. Ich musste lediglich eine längere „Sitzung“ über mich ergehen lassen.

Das Hilfsmittel für diese Methode nennt sich „Irrigator“. Das Wort klingt schlimmer und das Gerät sieht gefährlicher aus als es letztendlich ist. Mit dem Standardgerät von Amazon habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht.

Der Schlauch ist länger als bei dem Modell, welches ich mir in der Apotheke angeschaut habe. Das ist praktisch, denn es gibt mehr Optionen, wie man den Becher positioniert. Ich habe ihn auf die Ablage über dem Waschbecken gestellt. Der Schlauch ist lang genug, so dass ich mich gemütlich davor auf dem Boden platzieren konnte. Der Höhenunterschied ist wichtig, damit das Wasser auch genügend Druck hat, um in den Darm einfließen zu können.

An diesem Tag fühlte ich mich am besten während der gesamten acht Tage. Ich hatte wenig Hunger, ein sehr hohes Energieniveau, bin 16 km Fahrrad gefahren und habe noch 20 min Fitnesstraining oben drauf gepackt. Auch geistig war ich voll auf der Höhe und konnte viel lesen, schreiben und einiges an Routinearbeiten erledigen.

Meine Mahlzeiten bestanden wieder aus Tee, Brühe und verdünntem Saft.

5. Tag – Vierter Fastentag

Der Morgen begann wieder mit einem Einlauf. Obwohl ich mich tagsüber wach und fit fühlte, hatte ich eine etwas gereizte Stimmung, die auch bis zum Abend anhielt. Auch 15 min Fitnesstraining und ein kurzer Spaziergang konnten das nicht ändern. Trotzdem war ich auch an diesem Tag kreativ und konnte viel schreiben.

Meine üblichen Mahlzeiten von Tee, Brühe und verdünntem Saft genoss ich gerne und der Gedanke an ein baldiges Ende des Hungerns motivierte mich zusätzlich.

6. Tag – Fünfter Fastentag

Der letzte Tag des Hungerns war angebrochen und begann wie die zwei Tage zuvor mit einem Einlauf. Ich gewöhnte mich erstaunlich schnell daran und war fast schon routiniert im Ablauf.

Meine Stimmung hatte sich wieder verbessert und obwohl ich sicher noch weitere Tage des Hungerns durchgehalten hätte, war ich froh, dass dies vorerst der letzte gewesen sein wird.

Ich hatte mich anfangs mit viel zu viel an Säften und vorgekochter Brühe eingedeckt, sodass ich auch bis zum letzten Tag nicht mal die Hälfte meiner Vorräte aufbrauchen konnte. Genug Energie für 20 Minuten Fitnessprogramm war auch an diesem Tag wieder vorhanden.

7. Tag – Erster Aufbautag

Der Moment der ersten festen Nahrung wird als „Fastenbrechen“ bezeichnet. Ich führte morgens wieder einen Einlauf durch (der vierte und letzte während dieser Fastenwoche) und trank viel Tee. Im Laufe des Vormittags genehmigte ich mir einen gedünsteten Apfel mit Zimt, von dem ich allerdings nur ca. zwei Drittel schaffte:

Mittags gab es eine frische Gemüsesuppe (diesmal mit Stückchen) und abends eine selbstgemachte Tomatensuppe mit Knäckebrot.

Obwohl ich nur sehr wenig essen konnte, hatte ich keine Probleme mit der Verdauung. Mein Magen funktionierte von Anfang an wieder völlig normal und ich hatte keinerlei Beschwerden. Das Essen genoss ich sehr und der Geschmack war intensiver als vor der Fastenwoche.

8. Tag – Zweiter Aufbautag

Diesmal gab es keinen Einlauf mehr, denn mein Darm sollte nun langsam wieder von alleine arbeiten. Obwohl ich zum morgendlichen Haferbrei ein Glas Sauerkrautsaft trank, hatte das keine abführende Wirkung mehr. Mittags gab es Kartoffeln mit Möhrengemüse und abends einen gemischten Salat.

Ich trainierte wieder etwas intensiver und fühlte mich wahrlich prächtig. Dies war der letzte Tag meiner achttägigen Fastenwoche und ich bin froh und stolz, es geschafft zu haben.

Grundsätzliches für die Woche

Ich hielt mich jeden Tag an mein Morgenritual. Auch wenn ich die Dinge etwas langsamer angehen ließ, unterstützten besonders Yoga und Meditation meine innere Reinigung. Ich trank jeden Tag vier bis fünf Liter Wasser und Tee zusätzlich zu Brühe und Saft. Jeden Tag legte ich mich mittags eine Stunde ins Bett und machte einen heißen Leberwickel. In der liegenden Position kann die Leber bis zu 40% besser entgiften und die Wärmflasche auf dem Bauch fördert die Durchblutung.

Es war interessant zu sehen, wie bei jeder Darmreinigung bis zum Schluss noch feste Stücke ausgeschieden wurden, obwohl ich nur Flüssignahrung zu mir nahm. Dieser Umstand bestätigte mich in der Meinung, mein Darm bedurfte einer gründlichen Reinigung.

Mein Energieniveau war bis auf den ersten Fastentag immer sehr hoch. Ich war kreativ, konnte trainieren und brauchte außer der längeren Mittagsruhe nicht mehr Ruhe als normal.

Erkenntnisse und Auswirkungen für die Zukunft

Was mir vorher bereits klar war und durch die Fastenkur noch bestätigt wurde ist die Tatsache, dass mein Körper mit deutlich weniger auskommt, als ich ihm gebe. Obwohl ich nur Flüssigkeiten zu mir nahm, hatte ich genügend Energiereserven, um körperlich und geistig aktiv zu sein und mich dabei auch noch wohl zu fühlen.

In den Wochen vor meiner Fastenzeit plagten mich chronische Schulterschmerzen, dessen Ursache mir ein Rätsel waren. Interessanterweise wurden diese während des Fastens schwächer und sind nun gänzlich verschwunden.

Auch wenn ich bereits ohne Hungern schlank und trainiert war, hatte ich immer eine kleine, feste Murmel am Bauch. Ich wusste, dass dies kein Fett sein kann und freute mich, dass sie während der Fastenkur komplett verschwand. Auch wenn ich das wissenschaftlich nicht nachweisen kann, ist das für mich eine weitere Bestätigung für Abfallreste im Darm.

Insgesamt hatte ich am fünften Fastentag mein Maximum von 3 kg Gewichtsverlust zu verzeichnen, wovon ich nach den Aufbautagen schon wieder 1 kg drauf hatte. Da ich schon vorher wenig Körperfett hatte, war bei mir nicht viel zu holen. Ein übergewichtiger Faster wird aber definitiv mehr abnehmen.

Einziges Manko des gesamten Vorhabens ist das beständige Hungergefühl. In der Anleitung ist davon die Rede, dass man ab dem zweiten Tag keinen Hunger mehr spürt, da sich der Körper umgestellt hat. Auch wenn ich kein ständiges Magenknurren hatte, so war ein leichter Hunger und ein starker Appetit ständig vorhanden. Das zu überwinden war für mich die größte Herausforderung.

Ich bin deshalb umso stolzer, diese Erfahrung gemacht und alles nach Plan durchgeführt zu haben. Die Fastenkur entführte mich wieder mal auf neues Terrain außerhalb meiner Komfortzone und ich bin gestärkt daraus hervorgegangen.

Zwei Dinge möchte ich hervorheben

1. Ich esse bewusster und genieße mehr.

Als ich mir in den ersten Tagen nach dem Fasten meine gewohnten Portionsgrößen machte, war ich bereits nach zwei Dritteln satt. Dieser Effekt hielt jedoch nicht lange an und ich bin heute wieder bei den gleichen Mengen wie vor dem Fasten. Aber ich genieße das Essen nun umso intensiver. Ich freue mich auf jede Mahlzeit viel mehr und gebe mir Mühe beim Zubereiten von frischen und gesunden Zutaten. Dabei verfolge ich den Grundsatz so viel „echtes Essen“ wie möglich zu mir zu nehmen. Wer mehr zu diesem Thema wissen möchte, dem empfehle ich den Blog Healthy Habits, in dem Patrick und Jasmin u. a. über gesunde Ernährung schreiben.

2. Ich brauche keinen Kaffee mehr und habe mich ebenso von Alkohol und Nikotin losgesagt.

Obwohl mir Kaffee nach wie vor schmecken würde, brauche ich ihn nicht mehr. Nach meinem Morgenritual bin ich wach und klar und kann in den Tag starten, ohne den schwarzen Turbo zu brauchen. Ob ich nun gänzlich auf Kaffee verzichte, vermag ich noch nicht abzusehen. In meinem Morgen kommt er jedenfalls nicht mehr vor.

Alkohol und Nikotin waren kein Problem für mich im Sinne einer Sucht, genossen habe ich beides trotzdem hin und wieder. Damit ist nun Schluss. Ich habe mich während des Fastens dazu entschlossen, beidem zu 100% den Rücken zu kehren. Keine Ausnahmen. Keine Partyzigarette. Kein Anstandsglas zu Weihnachten.

Falls du auch schon mal gefastet hast, welche Erfahrungen möchtest du uns hier vielleicht mitteilen? Motiviert dich mein Bericht, es vielleicht das erste Mal zu probieren? Wie stehst du generell zu diesem Thema? Ich freue mich wie immer über zahlreiche Kommentare!

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