Ein irrtümlicher Neuanfang

In diesem Beitrag erfährst du etwas über meinen persönlichen Hintergrund. Ich berichte davon, warum ich mein Leben verändern wollte, und was es tatsächlich veränderte. Und was nicht.

Fast drei Jahre lang hatte ich kein Zuhause. Ich hatte mich bewusst dagegen entschieden. Ich wusste nicht mal mehr, was Zuhause für mich wirklich bedeutet. Es gab wenig, was mir an meinem letzten „Aufenthaltsort“ in Leipzig so wichtig war, dass es mich alles Andere, was mich störte, quälte, nervte, erdrückte, verwirrte oder mir ohne Sinn erschien, ertragen ließ.

Deshalb kehrte ich meinem letzten Zuhause und auch meinem bisherigen Leben den Rücken. Ich kündigte meinen letzten Job, löste meine Wohnung auf, verkaufte oder verschenkte alles, was nicht in meine zwei Rucksäcke passte, sparte so viel ich nur konnte und verabschiedete mich von Freunden und Familie. Dann zog ich los. Ohne Plan. Ohne Ziel. Hauptsache „weg“. Wovon? Das wusste ich nicht so genau.

Christoph Abschied

Ich war unglücklich und wollte das ändern. Ein „neues Leben“ war für mich die Lösung. Frei von allem, was ich hinter mir lassen wollte. Ich glaubte, in einem anderen Land und in einem anderen Umfeld wird alles anders, wird alles besser. Freiheit war (und ist) mein mir wichtigster Wert. Freiheit bedeutete für mich, tun und lassen zu können, was ich wollte. Nichts sollte mich mehr einschränken oder mein Wohlbefinden mindern.

Drei Jahre brauchte ich, um meinen Irrtum zu begreifen. Gleichzeitig waren das die bisher schönsten drei Jahre meines Lebens. Ich möchte sie nicht missen. Ich möchte aber auch nicht so weiterleben. Ich vermisse nun andere Dinge.

„Ich bin wieder hier. In meinem Revier. War nie wirklich weg. Hab mich nur versteckt.“

Diese Worte von Marius Müller-Westernhagen sprechen mir gerade aus der Seele.

Wieder zurück in Leipzig stelle ich fest, dass sich Vieles, was mich vor drei Jahren störte und dazu bewog, Deutschland den Rücken zu kehren, nicht verändert hat. Trotzdem fühlt sich alles anders an. Ich habe mich verändert.

Als Langzeitreisender entsprach ich dem Klischee. Ich bin vor etwas davongelaufen. Lange wollte ich das nicht wahrhaben. Aber ich möchte an dieser Stelle auch ganz deutlich machen, dass es, obwohl ich davongelaufen bin, genau das Richtige war. Ohne mein Davonlaufen und den damit verbundenen Abstand zu allem, wäre es mir nur sehr schwer möglich gewesen, die Erkenntnisse zu gewinnen, die ich nun habe. Sicher hätte es andere Handlungsalternativen gegeben. Einige hätten mich schneller dahin gebracht, wo ich jetzt bin, einige langsamer und wieder andere hätten mich ganz woanders hingebracht. Das ist nun irrelevant.

Ich kann rückblickend nicht sagen, was besser gewesen wäre. Jetzt geht es mir gut und alles, was ich bisher getan habe, hat mich genau dahin gebracht wo ich jetzt bin. Und das ist gut so. Selbst wenn ich jetzt immer noch vor den gleichen Problemen stehen würde wie vor drei Jahren, es wäre trotzdem keine verschwendete Zeit. Ich hatte viel Spaß, habe viel dazugelernt und bin stolz auf Erfahrungen, die mir sonst vorenthalten geblieben wären.

Nun gilt es natürlich, die neugewonnenen Erkenntnisse zu nutzen und das Gelernte umzusetzen. Denn noch befinde ich mich in der euphorischen Phase des Neuen. Jetzt, ca. drei Monate nach meiner Rückkehr, ist alles noch neu und aufregend. Es bleibt spannend, wie ich mich im neuen/alten Alltag schlage.

Wie verbringe ich meine Zeit? Welche Gedanken habe ich? Welche Emotionen spüre ich? Wie bestreite ich meinen Lebensunterhalt? All das sind spannende Fragen, auf die ich selbst noch keine Antwort habe. Aber ich bin gespannt und aufgeregt, sie mir bald zu beantworten.

Noch mehr Persönliches über mich gibt es in diesem Artikel.

Hattest du dein Leben schon mal extrem verändert? Welche Erfahrungen hast du gemacht und was hast du daraus gelernt? Schreib mir doch einfach einen Kommentar dazu!

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