Freiheit ohne Reichtum?

Für mich bedeutet Freiheit auch finanziell unabhängig zu sein. Doch was genau heißt das? Wann bin ich finanziell unabhängig? Und wann werde ich gierig und will immer mehr? Wie viel Wohlstand brauche ich, um mich finanziell unabhängig zu fühlen und was bin ich bereit, dafür zu tun (und was nicht)?

Der Begriff „Finanzielle Unabhängigkeit“ wird in der Branche „Motivation und Erfolg“ gerne verwendet, um Menschen davon zu überzeugen, dass es gut ist, Millionär zu sein und zu werden. Und natürlich ist es super, wenn man dann alle Produkte (Bücher, Seminare, Kurse, Hörbücher, etc.) dazu kauft. Es ist einfach, den Menschen bei seiner Gier zu packen, ihm tolle Dinge zu versprechen und ihm die nötigen Mittel dazu zu verkaufen. Dass vieles davon gar nicht so einfach ist, wird meistens erst im Nachhinein klar.

Nun will ich diese Branche nicht verteufeln. Ganz im Gegenteil, ich beschäftige mich seit Jahren mit Persönlichkeitsentwicklung und finanzieller Freiheit. Und da bin ich oft mit Büchern aus diesem Bereich in Berührung gekommen. Ich habe viele dieser „Werde schnell und einfach reich!“ Bücher gelesen und habe den motivierenden Effekt gespürt. Auch wenn viele Aussagen einiger selbsternannter Gurus völliger Humbug sind, so habe ich doch auch viele Wahrheiten in der Masse gefunden. Ich habe viel gelernt, was mich nach meiner Definition zu einem besseren Menschen gemacht hat.

Es wird oft suggeriert, dass wahre finanzielle Unabhängigkeit bedeutet, sich alles kaufen zu können, was man will. Selbst wenn das ein eigenes Flugzeug, eine Hochseeyacht oder ein Schloss ist, wirklich finanziell frei bist du nur, wenn du dir all diese Dinge leisten kannst. Das ist natürlich Quatsch. Auf jeden Fall bist du finanziell frei, wenn du dir das alles tatsächlich leisten kannst. Es ist aber Blödsinn, sich dieses Level an Reichtum zum Ziel setzen zu müssen, um sich finanziell frei zu fühlen.

Genau hier liegt der Knackpunkt: finanzielle Freiheit ist keine Zahl sondern ein Gefühl. Natürlich kann man am Ende immer eine Zahl definieren. Doch wie hoch diese ist, hängt vom Menschen ab. Sie definiert sich einzig und allein durch das erhoffte Gefühl. Wenn sich jemand erst mit vier italienischen Sportwagen mit einem Bullen oder einem Pferd vorne drauf frei fühlt, ist er natürlich erst bei einer viel höheren Zahl (im Sinne von Geldbetrag) finanziell unabhängig als jemand, der ohne Schulden autark in einer Waldhütte leben möchte.

Das gute an diesen Motivtaionsbüchern ist, dass sie uns ermutigen, etwas zu schaffen und etwas zu bewegen. Das schlechte ist, dass sie fragwürdige Gründe für das eigene Streben liefern. Die Grundlage ist oft der bedingungslose Drang nach „Mehr“. Mehr Wachstum, mehr Einkommen, mehr Vermögen, mehr Konsum, mehr Status. Das Leben und die Welt funktionieren im Überfluss und deshalb sollte auch jeder Mensch im Überfluss leben.

Aus zwei Gründen finde ich das nicht gut:

1. Förderung der Gier

Dadurch wird die im Menschen von Natur aus vorhandene Gier gefördert und gestärkt. Gier ist wie eine Sucht, du weißt nicht mehr, wann Schluss ist. Um befriedigt zu sein, brauchst du immer mehr. Du findest kein Maß mehr. Und irgendwann bist du auch bereit, unmoralische Dinge zu tun oder vielleicht sogar anderen zu schaden, um deinen eigenen Vorteil durchzusetzen. Leider ist genau diese Gier der Grund, warum sich Bücher in dem Bereich so gut verkaufen. Gierige Menschen wollen mehr. Wenn ich gierig bin und ein „Top-Trainer“ mir den Weg zu noch mehr Reichtum in sieben einfachen Schritten verspricht, greife ich natürlich zu.

2. Verlust der Verhältnismäßigkeit

Überfluss ist grundsätzlich nicht verwerflich. Problematisch ist nur das richtige Maß. Für den einen ist Überfluss erst das fünfte Auto im dritten Haus. Für den anderen ist Überfluss vielleicht, sich einmal pro Woche Fleisch leisten zu können. Beide definieren für sich das gleiche Gefühl von Überfluss. Um dieses gleiche Gefühl zu erreichen, benötigen Sie allerdings einen völlig unterschiedlichen Geldbetrag. Welcher ist nun der „Richtige“?

„Menschen, die nach immer größerem Reichtum jagen, ohne sich jemals Zeit zu gönnen, ihn zu genießen, sind wie Hungrige, die immerfort kochen, sich aber nie zu Tische setzen.“

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Bist du einmal in der Spirale der Gier gefangen, fällt es dir schwer, das richtige Maß zu finden. Vielleicht bist du ja bereits mit einem Auto und einem Haus vollkommen zufrieden und fühlst dich frei. Statt die Energie in noch mehr Geld für noch mehr Häuser und noch mehr Autos zu investieren, könntest du mehr Zeit mit deiner Familie verbringen. Oder du überlegst dir, wie du die Welt zu einem besseren Ort machen könntest. Vielleicht schreibst du ein inspirierendes Buch. Oder du tust etwas gemeinnütziges.

Nun meine ich nicht, dass ein Haus und ein Auto genau das richtige Maß an finanzieller Unabhängigkeit sind. Wenn der eine mit weniger und der andere mit mehr zufrieden ist, dann geht das vollkommen in Ordnung. Die Problematik ist, dass wir oft gar nicht wissen, wo denn unser Maß liegt. Wir wissen nur, dass es mehr ist, als wir im Moment haben. Und dann fangen wir an zu arbeiten und mehr zu erwirtschaften. Aber wir wissen gar nicht wie viel „mehr“ wir eigentlich wollen.

Selbst wenn wir das Maß genau definiert haben, kann es sein, dass wir diesen Zustand irgendwann erreichen und plötzlich doch mehr wollen. Der Mensch ist gierig und er will mehr. Die Gier führt dazu, dass er mehr arbeitet, als er für sein eigenes Wohlbefinden eigentlich müsste. Und obwohl er dann sicher mehr finanzielle Möglichkeiten hätte, so wäre er doch nicht frei, denn er ist in der Endlosschleife der Gier gefangen.

„Die Begehrlichkeit kennt keine Schranke, nur Steigerung.“

Lucius Annaeus Seneca

Wahre finanzielle Unabhängigkeit heißt also, den genauen Betrag zu kennen, darauf hinzuarbeiten und nach Erreichen die daraus resultierende Freiheit zu genießen und für Dinge zu nutzen, die mir wirklich wichtig sind.

Ich tue mich selbst damit noch etwas schwer. Ich bin so beeinflusst durch meine Erziehung, die Meinung meiner Freunde und Familie und die Medien, dass ich gar nicht weiß, wo für mich das richtige Niveau an Wohlstand liegt. Und selbst wenn ich es kennen würde, wüsste ich (noch) nicht wirklich, was ich dann mit meiner Freiheit anfangen würde.

Brauche ich also Reichtum? Und wenn ja, wie viel? Und wenn ich ihn erreicht habe, was dann? Finanziell unabhängig zu sein, bedeutet für mich, fundierte Antworten auf diese Fragen zu haben.

Ich höre jetzt schon wieder die Stimmen, die da sagen: „Lass doch das mit dem Reichtum. Arbeite einfach so, dass du deine Miete und deine Rechnungen bezahlen kannst und dir vielleicht hier und da mal etwas Luxus gönnst und gut.“ Dann hätte ich mein Leben aber durch die Höhe meiner Miete und die Anzahl meiner Rechnungen definiert, wäre fremdbestimmt und hätte mich nicht bewusst selbst für ein freies Leben entschieden.

Ich könnte das Maß meiner persönlichen finanziellen Freiheit aktuell wie folgt definieren:

  1. Arbeiten wann, wo, mit wem und wie viel ich möchte.
  2. Gesundes Essen meiner Wahl, ohne auf den Preis achten zu müssen.
  3. Ein einfaches Zuhause ohne TV, ohne Krempel und mit wenigen hochwertigen Möbeln und viel Pflanzen.

Schon aus dem ersten Punkt heraus würden sich für mich zahlreiche Optionen ergeben, die mich frei fühlen lassen. Zum Beispiel könnte ich jederzeit verreisen und auch (zumindest temporär) andernorts arbeiten, ohne mich um mein Einkommen sorgen zu müssen. Ich könnte die Uhrzeit selbst bestimmen zu der ich arbeiten möchte und mich nach meiner Tagesform richten. Da ich nicht an feste Bürozeiten gebunden wäre, könnte ich manchmal morgens und manchmal abends arbeiten. Und wenn ich mal krank oder demotiviert wäre, würde ich mir auch mal ein paar Tage Pause gönnen, ohne dass das einen Einfluss auf mein Einkommen hätte. Ich könnte mir Kollegen, Geschäftspartner und Kunden aussuchen. Und wenn ich mit irgendeinem nicht klarkommen würde, wäre ich frei in meiner Entscheidung darin, mich von demjenigen zu trennen.

Jetzt fange ich an, die Themen „Finanzielle Unabhängigkeit“ und „Der perfekte Job“ zu vermischen. Klar ist, ohne Arbeit geht es nicht und ich will hier auch nicht die Meinung vertreten, dass finanzielle Unabhängigkeit bedeutet, nicht mehr arbeiten zu müssen. Aber für mich bedeutet es zumindest, mir selber aussuchen zu können, wie ich arbeite. Dieses Thema werde ich wohl in einem weiteren Artikel bearbeiten.

Wie definierst du finanzielle Unabhängigkeit für dich? Hast du eine Zahl, die das messbar macht? Denkst du überhaupt über dieses Thema nach? Wenn nicht, warum ist es deiner Meinung nach unwichtig? Ich freue mich über hitzige Diskussionen zu diesem Thema!

Das Thema Finanzen ist nur Punkt elf auf dieser Liste von Maßnahmen, mit denen du dein Leben positiver gestalten kannst.

2 Kommentare

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