Sage Nein und befreie dich selbst!

Es gibt ein Wort, welches dich (richtig angewendet) befreien kann. Obwohl nur ein Wort, fällt es uns oft schwer, es auszusprechen. Wie du am besten damit umgehst und welche Erfahrungen ich selber bisher damit gesammelt habe, liest du im folgenden Beitrag.

Ein Thema, bei dem ich selber noch viel dazulernen muss und das mir immer wieder schwer fällt, ist es, nein zu sagen. Es fällt mir schwer. Nein zu Dingen, nein zu Verabredungen, nein zu E-Mails, nein zu Sozialen Medien, nein zu ungesundem Essen, nein zu Prokrastination, nein zu Süßem, nein zu Vorurteilen, nein zu destruktiven Emotionen, die Liste könnte unendlich weiter gehen. Aber was hat dieses kleine Wort mit vier Buchstaben mit Freiheit zu tun?

Die Fähigkeit, das Wort Nein auszusprechen, ist der erste Schritt zur Freiheit.
Nicolas Chamfort

Freiheit definiere ich für mich u.a. durch Selbstbestimmung. Ich bestimme die Richtung meines Lebens. Ich entscheide selbst darüber, womit ich meine Zeit verbringe, wofür ich mein Geld ausgebe und wohin meine Aufmerksamkeit fließt. Wichtig dabei ist die bewusste Entscheidung und nicht die unterschwellige Beeinflussung oder die Beantwortung einer suggestiven Frage.

Ein Nein spart dir grundsätzlich Zeit, Raum, Geld und Stress. Es hat aber immer Konsequenzen. Oft möchte ich (scheinbar) nicht mit den Konsequenzen leben. Oder mir sind die positiven Auswirkungen eines Neins nicht immer bewusst. Zwei Gründe, warum ich noch viel zu selten Nein sage.

Um authentische Entscheidungen im Leben treffen zu können, ist es wichtig, dass dir deine eigenen Werte und Prioritäten klar sind.

Wenn du keinen Alkohol trinkst, dann fällt es dir leichter, eine Einladung zum Besäufnis in einer Bar abzusagen und stattdessen Freunde zum Dinner zu dir nach Hause einzuladen. Sitzt du aber gelangweilt zu Hause, dann gehst du der Einladung eher nach, denn das ist scheinbar immer noch besser als nichts zu tun.

Die folgenden drei Bereiche beschäftigen mich gerade am meisten und deshalb möchte ich sie etwas detaillierter betrachten.

1. Geld ausgeben

Wenn ich dich konkret frage, ob du mein Auto kaufen möchtest, wird es dir wahrscheinlich leicht fallen, Nein zu sagen. Entweder hast du selbst ein Auto und bist damit zufrieden. Oder du willst ein neues, hast aber sehr genaue Vorstellungen, wie das auszusehen hat. Oder du fährst lieber Fahrrad und ein Auto kommt für dich sowieso nicht in Frage. Das war einfach.

Nun bist du im Supermarkt und möchtest eine Gurke kaufen. Du siehst das grellrote Angebotsschild, welches dir sagt: „Drei Gurken zum Preis von zwei!“ Du bist der Meinung, ein Schnäppchen zu machen, denn du bekommst eine Gurke geschenkt. Du brauchst zwar nur eine Gurke und bevor du zwei Gurken gegessen hast, ist die dritte wahrscheinlich schon nicht mehr genießbar. Trotzdem ist es hier schon schwieriger, Nein zu sagen.

Wir werden nicht nur im Supermarkt sondern im Fernsehen, in Zeitschriften, auf der Straße, im Internet, einfach überall mit Werbung, SALE, tollen Angeboten und unterschwelligen Kaufaufforderungen bombardiert. Selbst wenn wir gezielt in ein Geschäft gehen, um einen Gegenstand unserer Wahl zu besorgen, kommen wir meistens mit mehr nach Hause, als wir eigentlich geplant hatten. Wer war nicht schon mal bei IKEA und wollte nur eine Pflanze kaufen? Nach Hause fährst du dann mit drei Pflanzen, drei Übertöpfen, noch ein paar Kerzen (gab es im Sparset), einer neuen Decke (wolltest du sowieso, hattest du nur vergessen) und ein paar Rattankisten (die sind so praktisch um deinen Krempel zu organisieren). Natürlich holst du dir vor dem Verlassen des Gebäudes noch einen Hot Dog und weil das Getränk nur 50 Cent extra kostet, kaufst du das auch gleich noch mit. Du trinkst zwar normalerweise keine Cola, aber für 50 Cent? Da musst du zuschlagen.

Eine mögliche Strategie, die eigenen Impulskäufe zu verringern, ist eine Liste mit Dingen anzufertigen, die du gerne kaufen möchtest, ohne sie gleich zu kaufen. Wenn du den größeren Fernseher willst, dann schreib ihn auf die Liste und warte mindestens eine Woche. Willst du ihn nach einer Woche immer noch, recherchiere nach günstigen Angeboten und warte eine weitere Woche. Willst du ihn auch nach zwei Wochen immer noch, dann kaufe ihn. Vielleicht merkst du aber nach der ersten Euphorie, dass dein alter Fernseher noch total klar geht und du die 500 EUR lieber für einen Kurzurlaub ausgibst, statt für eine Mattscheibe.

Bei mir ist es oft so, dass ich von drei Dingen, die auf meiner Einkaufsliste stehen, einen Gegenstand nach einer Woche nicht mehr will, beim zweiten warte ich nochmal eine Woche ab und beim dritten schlage ich zu. Aber ein überlegtes Ja und zwei Nein sind immer noch besser als drei spontane Ja.

2. Zeit einteilen

Wie schon im Beitrag über das Morgenritual beschrieben, kann es in eine Endlosspirale münden, wenn du einmal anfängst, deine E-Mails zu bearbeiten oder bei deinen Social-Media-Kanälen nachzuschauen. Du klickst dich von einem Link zum nächsten Video, textest zwischendurch ein bisschen, liest die Nachrichten und schaust bei Amazon nach einem Buch, landest dann aber bei ganz anderen Dingen (siehe „1. Geld ausgeben“). Am Ende sind zwei Stunden vergangen und du fragst dich, was du in diesen zwei Stunden eigentlich gemacht hast.

Hier eine Strategie anzubieten, ist schon schwieriger. Das hat viel mit Disziplin zu tun. Informationen sind heutzutage immer und überall verfügbar. Eine Variante wäre es, dir feste Zeitfenster für E-Mails einzurichten, z.b. morgens und abends. Du könntest auch die Apps von Facebook und Co. von deinem Smartphone löschen und ebenfalls zwei Mal am Tag gezielt am Computer nachschauen, was es Neues gibt. Auf jeden Fall musst du nicht jeden dir empfohlenen Link anklicken. Frage dich bei jedem Newsletter, den du erhältst, ob er dir weiterhin einen Mehrwert bringt. Wenn nicht, bestelle ihn ab. In deinen Facebook-Neuigkeiten müssen nicht alle Freunde angezeigt werden. Vielleicht beschränkst du das auf die wichtigsten und abonnierst nicht jede Urlaubs- und Partybekanntschaft.

In deinem Freundeskreis gibt es sicher Menschen, die dir wichtiger sind als andere. Aber vielleicht sind „die anderen“ in der Überzahl. Oder sie haben einfach mehr Zeit. Überlege dir gut, mit wem du deine Freizeit verbringst. Zwei Verabredungen mit guten Freunden und zwei Abende nur für dich sind immer noch besser, als vier Verabredungen mit x-beliebigen Bekannten, keiner Zeit für dich und dem schlechten Gewissen, deine guten Freunde noch irgendwo dazwischenzuquetschen.

Ich arbeite momentan viel an diesem Blog und weiteren Projekten. Für mich gibt es jedoch keine Deadline oder einen Chef, der mir gewisse Arbeitszeiten vorschreibt. Meine Freunde wissen das. Deshalb werde ich bei Aktivitäten oft als Erster gefragt, denn „Christoph hat doch immer Zeit“. Grundsätzlich stimmt das auch, denn ich könnte zu (fast) jeder Tageszeit zu einem spontanen Treffen. Nur würde es dann diesen Blog nicht geben und ich könnte bald meine Miete nicht mehr bezahlen. Hier liegt mein größtes Hindernis. Ich bin täglich in dem Dilemma, abwägen zu müssen, ob ich mir diese und jene Aktivität erlauben kann oder lieber noch etwas arbeiten sollte. Ich habe große Ziele und eigentlich sollte mir ein Nein deshalb leicht fallen, aber ich muss mich meist dazu zwingen. Oft schaffe ich es nicht. Und wenn doch, dann habe ich ein schlechtes Gewissen. Aber ich werde besser darin. Auf der anderen Seite sollte ich auch mal Nein zur Arbeit sagen. Aber zwischen „sollte“ und „könnte“ verläuft nur eine sehr dünne Linie.

3. Ungesundes Essen

Ich möchte jetzt keine Ernährungsberatung machen und dir erklären, was du alles essen darfst und was nicht. Ich habe für meine eigene Ernährung beschlossen, Süßes auf ein Minimum zu beschränken und besonders abends nur noch eine kleine Mahlzeit zu essen. Und die besteht am besten ausschließlich aus Gemüse. Ich hatte erst vor ein paar Tagen eine Diskussion mit einer Freundin zu diesem Thema, als ich mir abends noch ein ordentliches Fleischgericht und noch einen süßen Nachtisch dazu machte. Ich hatte Heißhunger und konnte bzw. wollte nicht Nein sagen.

In diesem Bereich ist es wichtig, klare Ziele zu haben. 20 kg abnehmen zu wollen, ist ein ganz anderes Ziel, als lediglich nicht zunehmen zu wollen. Für einen Wettkampf zu trainieren, motiviert dich vielleicht mehr in Sachen Ernährung als der Wunsch nach einem Sixpack. Ich bin mir meiner Ziele beim Thema Ernährung nicht 100% klar und dadurch treffe ich keine 100% kongruenten Entscheidungen. „Gesund essen“ zu wollen, ist zu schwammig, „ein bisschen abnehmen“ ebenso. An Weihnachten das Ziel zu setzen, in vier Monaten einen Waschbrettbauch zu haben, motiviert dich hingegen schon eher, die abendlichen Chips wegzulassen.

Mach dir also klar, was dir wichtig ist. Ist es ein sportliches Ziel, ein Wunschgewicht, eine Kleidergröße oder vielleicht auch eine moralische Komponente (Vegetarier u.ä.). Du brauchst einen guten Grund, nein zu sagen, wenn du das nächste Mal zur Tafel Schokolade greifst. Hast du den nicht, dann genieße die Schoki aber auch und hadere nicht 🙂

Es gibt noch viele andere Bereiche, in denen ich die Fähigkeit, Nein zu sagen verbessern könnte. Ich will es bei diesen drei für mich momentan präsenten Themen belassen. Es ist ok, sich etwas zu kaufen, sich zu verabreden und Schokolade zu essen. Allerdings solltest du dich bewusst dafür entscheiden und nicht von den vielen Angeboten treiben lassen. Je öfter du Nein sagst, um so mehr kannst du ein Ja genießen.

Wo fällt es dir schwer nein zu sagen? Welche Strategien hast du für dich persönlich entwickelt, um es dir leichter zu machen? Schreib mir doch einen Kommentar dazu!

Nein zu sagen ist nur eine von vielen Strategien, seine Lebensqualität zu verbessern. Mehr davon gibt’s in diesem Artikel.

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