Über das Alleinsein ohne einsam zu sein

Ich habe mich drei Jahre lang verabschiedet. Weg vom alten Job, raus aus der alten Wohnung, raus aus Deutschland, raus aus dem Alltag. Ich ging ins Ausland. Manchmal reisen, manchmal arbeiten, manchmal einfach nur sein. Dabei hatte ich immer viele Menschen um mich herum. Ich war selten allein. Aber ich war einsam. Denn alles war nur temporär. Ein ständiges Kennenlernen und Verabschieden. Ich hatte keine Freunde. Zumindest nicht um mich herum. Meine Freunde waren zu Hause, lebten ihr Leben ohne mich und ich lebte meins ohne sie. Im Herzen waren sie da, doch das ist nicht das Gleiche.

Mit der Zeit wurde ich es satt, immer wieder neue oberflächliche Bekanntschaften zu machen. Ich wollte wieder mehr Tiefe, mehr Wert, bedeutungsvollere Beziehungen. Das ist ein Grund, warum ich mich wieder in einem stabilen Umfeld befinde. Ich bin nicht mehr einsam. Ich bin auch nicht allein. Und genau hier liegt das nächste Problem.

Ich bin nun weder allein noch einsam. Ich habe ständig Menschen um mich herum. Familie, gute Freunde und lose Bekannte. Das ist mir zu viel. Ich fühle mich dadurch gefangen in sozialen Zwängen. Um mich frei zu fühlen, muss ich auch mal wieder allein sein. Ich muss mir Zeit für mich freischaufeln, öfter nein sagen. und mich selbst weiterentwickeln. Nur dann habe ich genug Energie, auch für die mir wichtigen Menschen da zu sein. Und nur, wenn ich genug Ruhe habe, um an meiner eigenen Persönlichkeit zu arbeiten und genug Zeit, um anderen zu helfen, nur dann bin ich wirklich frei.

„Ganz er selbst sein darf jeder nur solange er allein ist: wer also nicht die Einsamkeit liebt, der liebt auch nicht die Freiheit: denn nur wenn man allein ist, ist man frei.“

Arthur Schopenhauer

Auch wenn Schopenhauer Einsamkeit und Alleinsein in einen Topf wirft, so mag ich seinen Bezug zur Freiheit.

Gerade in der heutigen schnelllebigen Welt tut es dir sicher auch gut, mal wieder allein zu sein. Probiere es mal aus. Nimm dir Zeit nur für dich. Und gehe gestärkt aus diesen Momenten voller Ruhe und Frieden hervor. Verbringe Zeit mit den dir wichtigen Menschen. Sei allein, aber nicht einsam. Sei frei.

Wie du aus einem Tief wieder herausfindest, davon berichtet dieser Artikel.

2 Kommentare

  1. „The chasm between being alone and loneliness is deep. The way you begin to be alone and at peace without being lonely is to know you are with your best friend. When you are at peace with yourself and love yourself, you can never be lonely. Only when one learns to love himself can he love another. You must find that love for yourself before you can touch the purity of aloneness. Love of self, without being selfish, will not allow loneliness to exist. Love of self also creates a love for everything else and brings us closer to the sacred oneness.“

    Tom Brown, Jr. „Grandfather“ – 5. Kapitel „Aloneness“ (S. 88)

    • Christoph

      Hey Daniel,

      wunderschönes Zitat! Es bringt noch eine weitere Ebene ins Spiel. Nicht nur die Qualität der Menschen, die uns umgeben, sondern auch die Qualität der Gedanken und Gefühle, die wir in uns selbst tragen, beeinflussen unsere Wahrnehmung des Alleinseins.

      Wenn ich mit mir selbst im Reinen bin, dann fällt es natürlich leichter, niemanden um mich herum zu haben bzw. niemanden, der mir wirklich etwas bedeutet.

      Ich bin trotzdem der Meinung, dass das Umfeld einen großen Teil des Gefühls der Einsamkeit ausmacht.

      Beste Grüße
      Christoph

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.